Aus einem Guss: 
Aluminium-Recycling in Madagaskar

Die vor der Ostküste Afrikas gelegene Insel ist – nicht zuletzt wegen der gleichnamigen Trickfilmreihe – vor allem für ihre einzigartige Tierwelt bekannt. So gibt es Tausende Arten wie die affenähnlichen Lemuren, die ausschließlich hier vorkommen. Eine weitere Besonderheit Madagaskars: die Aluminiumgießereien von Ambatolampy. Hier hat man sich auf das Recycling-Handwerk spezialisiert.

Die kleine Stadt Ambatolampy befindet sich im Landesinneren der Insel, rund 80 km südlich der Hauptstadt Antananarivo. Während die meisten Einwohner der „Stadt der Felsen“ vom Reisanbau und anderen landwirtschaftlichen Erzeugnissen leben, gibt es hier seit einigen Jahrzehnten auch eine weitere Einnahmequelle: den Verkauf von Aluminium-Produkten, die in einer der ortsansässigen Gießereien hergestellt werden.

Ihr Ursprung liegt im Zweiten Weltkrieg. Nach Einsatz auf Seite der Franzosen kehrte ein Vorfahre der heutigen Einwohner in seine Heimat zurück. In Europa hatte er das Handwerk des Metallgießens erlernt und legte mit diesem Wissen die Basis für die heutigen Aluminiumgießereien auf Madagaskar. Als Rohmaterial werden hier Aluminiumreste genutzt, die zum Beispiel von Getränkedosen, Auto- oder Flugzeugteilen stammen. 

Im Gegensatz zu anderen Metallen ist Aluminium perfekt für diese Form der Zweitverwertung geeignet. Denn zum einen hat der Werkstoff einen sehr niedrigen Schmelzpunkt, zum anderen kann er nahezu endlos oft recycelt werden, da dadurch keine Qualitätseinbußen auftreten. In Ambatolampy stellt man auf diesem Wege Töpfe, Geschirr und Besteck her, aber auch kleine Kunstwerke, Schmuck und Dekoobjekte.

Die Fertigung dieser Gegenstände geschieht in Handarbeit. Zunächst wird dazu aus feuchtem, graffitähnlichem Sand, der nur in diesem Teil der Insel vorkommt, eine Gussform erstellt. Über kleine Röhrchen befüllen die Arbeiter den Hohlraum dann mit der 660 Grad heißen Aluschmelze, die sich im Inneren gleichmäßig verteilt. Nach rund einer Minute ist das Aluminium bereits erstarrt. Die Sandform wird zerstört, um das Objekt zu entnehmen.

Im Anschluss gilt es nur noch, die Kanten zu entgraten und zu schleifen. Danach ist das Produkt bereits fertig für den Verkauf. Besonders großer Beliebtheit erfreuen sich die Kochtöpfe aus Aluminium, in denen auf Madagaskar das Essen zubereitet wird – traditionell auf Holzkohle. Die meisten Haushalte benutzen den „Marmite“ (französisch für „Kochtopf“) im Durchmesser von 28 cm. Für den großen Hunger gibt es sie jedoch auch bis zu 80 und 100 cm groß.

Bei der Herstellung arbeiten die Aluminiumgießer übrigens traditionell barfuß und ohne irgendeine andere Form von Schutzkleidung oder Sicherheitsmaßnahmen, die in Europa üblich sind. Darum ist ausschließlich den erfahrenen Arbeitern der Umgang mit dem glühenden Metall vorbehalten. In vielen Gießereien ist es möglich, ihnen bei dieser außergewöhnlichen und zugleich gefährlichen Arbeit über die Schulter zu blicken und die Entstehung der Aluobjekte zu verfolgen.

 

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